Arenen
Drei Amphitheater in einer Stadt
Nur wenige Römerstädte nördlich der Alpen hatten mehr als eine Arena. Augusta Raurica hatte im Lauf von rund 300 Jahren drei, an drei verschiedenen Orten.
Das Arenatheater im Stadtzentrum
Das erste Theater von Augusta Raurica war ein gewöhnliches szenisches Theater mit Bühne. Im frühen 2. Jahrhundert wurde es grundlegend umgebaut: An die Stelle von Bühne und Orchestra trat eine ovale Arena, umgeben von Zuschauerrängen. Damit hatte die Stadt ihre erste Spielstätte für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen, mitten im Zentrum und in Sichtweite des Tempels auf dem Schönbühl.
Nach einigen Jahrzehnten, um 170 n. Chr., wurde die Arena wieder aufgegeben und an ihrer Stelle das dritte, grosse szenische Theater gebaut, dessen Ruine heute zu sehen ist. Spuren der Arenaphase sind in den Mauern des Theaters erhalten.
- Lage
- Oberstadt, am Ort des heutigen Theaters (auf der Karte: I)
- Bautyp
- Arenatheater, eine Mischform aus Theater und Amphitheater
- Heute
- Überbaut vom jüngeren Theater, restauriert und öffentlich zugänglich
Das Amphitheater im Sichelengraben
Als das Zentrum wieder ein Theater bekam, zogen die Spiele an den Stadtrand. Im Sichelengraben, einer natürlichen Senke am Südwestrand der Oberstadt, entstand ein eigenständiges Amphitheater. Ein Teil der Zuschauerränge lag auf den Hängen der Senke, was Baumaterial sparte.
Die Arena wurde erst 1959 entdeckt. Heute ist sie als grüne, ovale Mulde mit restaurierten Mauern und Eingängen zu erkennen.
- Lage
- Südwestlicher Stadtrand, Sichelengraben (auf der Karte: II)
- Bautyp
- Amphitheater, teils in den Hang gebaut
- Heute
- Konserviert und frei zugänglich
Das spätantike Amphitheater von Kaiseraugst
Die jüngste Entdeckung: Im Dezember 2021 stiess die Kantonsarchäologie Aargau bei der Baubegleitung für das neue Bootshaus des Basler Ruderclubs in Kaiseraugst auf eine verputzte Mauer, die eine ovale Arena umschliesst. Die Anlage ist rund 50 Meter lang und 40 Meter breit und liegt in der Senke eines aufgelassenen römischen Steinbruchs unmittelbar westlich des Kastells.
Nach dem verwendeten Baumaterial stammt sie aus der Spätantike, etwa dem 4. Jahrhundert, als im Römischen Reich kaum noch Amphitheater gebaut wurden. Es ist das dritte Amphitheater von Augusta Raurica und das achte bekannte in der Schweiz.
- Lage
- Kaiseraugst, westlich des spätrömischen Kastells (auf der Karte ungefähr)
- Grösse
- Rund 50 × 40 Meter
- Heute
- Dank einer Anpassung des Bauprojekts im Boden erhalten
Was drei Arenen für die Ludus-Frage bedeuten
Nachfrage über Generationen
Die Stadt investierte immer wieder in Spielstätten. Spiele waren also kein einmaliges Ereignis, sondern fester Teil des städtischen Lebens.
Wandernde Truppen oder eigene Schule?
Kleinere Städte mieteten oft Gladiatorentruppen von einem lanista. Eine grosse Kolonie mit eigener Arena konnte sich aber auch eine eigene Schule leisten.
Wo suchen?
Die Gladiatorenschule von Carnuntum lag direkt neben dem Amphitheater. Für Augusta Raurica ist das Umfeld des Sichelengrabens deshalb der naheliegende Ausgangspunkt.