Arenen

Drei Amphitheater in einer Stadt

Nur wenige Römerstädte nördlich der Alpen hatten mehr als eine Arena. Augusta Raurica hatte im Lauf von rund 300 Jahren drei, an drei verschiedenen Orten.

Zeitstrahl der Arenen von Augusta Raurica Im Stadtzentrum folgt auf ein szenisches Theater um 110 n. Chr. das Arenatheater, das um 170 wieder einem Theater weicht. Um 200 entsteht das Amphitheater im Sichelengraben. Im 4. Jahrhundert folgt die Arena in Kaiseraugst. 0 100 n. Chr. 200 300 400 Arenatheater Theater (wieder szenisch) Stadtzentrum Sichelengraben Stadtrand Kaiseraugst Beim Kastell
Datierungen gerundet. Das Ende der Nutzung ist bei allen drei Bauten nicht genau bekannt.
I

Frühes bis spätes 2. Jh.

Das Arenatheater im Stadtzentrum

Das erste Theater von Augusta Raurica war ein gewöhnliches szenisches Theater mit Bühne. Im frühen 2. Jahrhundert wurde es grundlegend umgebaut: An die Stelle von Bühne und Orchestra trat eine ovale Arena, umgeben von Zuschauerrängen. Damit hatte die Stadt ihre erste Spielstätte für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen, mitten im Zentrum und in Sichtweite des Tempels auf dem Schönbühl.

Nach einigen Jahrzehnten, um 170 n. Chr., wurde die Arena wieder aufgegeben und an ihrer Stelle das dritte, grosse szenische Theater gebaut, dessen Ruine heute zu sehen ist. Spuren der Arenaphase sind in den Mauern des Theaters erhalten.

Lage
Oberstadt, am Ort des heutigen Theaters (auf der Karte: I)
Bautyp
Arenatheater, eine Mischform aus Theater und Amphitheater
Heute
Überbaut vom jüngeren Theater, restauriert und öffentlich zugänglich
II

Um 200 n. Chr.

Das Amphitheater im Sichelengraben

Als das Zentrum wieder ein Theater bekam, zogen die Spiele an den Stadtrand. Im Sichelengraben, einer natürlichen Senke am Südwestrand der Oberstadt, entstand ein eigenständiges Amphitheater. Ein Teil der Zuschauerränge lag auf den Hängen der Senke, was Baumaterial sparte.

Die Arena wurde erst 1959 entdeckt. Heute ist sie als grüne, ovale Mulde mit restaurierten Mauern und Eingängen zu erkennen.

Lage
Südwestlicher Stadtrand, Sichelengraben (auf der Karte: II)
Bautyp
Amphitheater, teils in den Hang gebaut
Heute
Konserviert und frei zugänglich
III

4. Jh. n. Chr.

Das spätantike Amphitheater von Kaiseraugst

Die jüngste Entdeckung: Im Dezember 2021 stiess die Kantonsarchäologie Aargau bei der Baubegleitung für das neue Bootshaus des Basler Ruderclubs in Kaiseraugst auf eine verputzte Mauer, die eine ovale Arena umschliesst. Die Anlage ist rund 50 Meter lang und 40 Meter breit und liegt in der Senke eines aufgelassenen römischen Steinbruchs unmittelbar westlich des Kastells.

Nach dem verwendeten Baumaterial stammt sie aus der Spätantike, etwa dem 4. Jahrhundert, als im Römischen Reich kaum noch Amphitheater gebaut wurden. Es ist das dritte Amphitheater von Augusta Raurica und das achte bekannte in der Schweiz.

Lage
Kaiseraugst, westlich des spätrömischen Kastells (auf der Karte ungefähr)
Grösse
Rund 50 × 40 Meter
Heute
Dank einer Anpassung des Bauprojekts im Boden erhalten

Was drei Arenen für die Ludus-Frage bedeuten

Nachfrage über Generationen

Die Stadt investierte immer wieder in Spielstätten. Spiele waren also kein einmaliges Ereignis, sondern fester Teil des städtischen Lebens.

Wandernde Truppen oder eigene Schule?

Kleinere Städte mieteten oft Gladiatorentruppen von einem lanista. Eine grosse Kolonie mit eigener Arena konnte sich aber auch eine eigene Schule leisten.

Wo suchen?

Die Gladiatorenschule von Carnuntum lag direkt neben dem Amphitheater. Für Augusta Raurica ist das Umfeld des Sichelengrabens deshalb der naheliegende Ausgangspunkt.